KR Fl es 0 oder Feen Botanische Zeitung welche

Recensionen, Abhandlungen, Aufsätze, Neuigkeiten und Nachrichten,

die Botanik betreffend, enthält,

Herausgegeben von

der königl. bayer. botanischen Gesellschaft

in Regensburg.

iii gg

Achter Jahrgang,

Zweiter Band

Mit 5 Bogen Ergänzungs-Blätter, 6 Bogen Beilagen und ı Kupfertafel.

nnd > Regensburg, 182%

Ihrem würdigen Mitgliede dem

Herrı

Johann Jacob Bernhardıi,

"Doctor der Medicin, Professor der Botanik, und Direktor des botanischen Gartens zu Erfurt, Mit- gliede der Kais. Leopold - Carol. Academie der Naturforscher und mehrerer anderen gelehrten Gesellschaften ,

widmet

gegenwärtigen Band der Flora

die königlich bayer. botanische Gesellschaft

in Regensburg.

Flora . oder

Botanische Zeitung.

Nro. 25. Regensburg, am 7. Juli 1825. EEE <eriitun "nme

L. Recensionen.

Nova Acta Physico- Medica dcademiae Caesareae Leopoldino - Carolinae Naturae Curiosorum, 'To- mi duodecimi pars prior; cum labulis aeneis et lithographieis, Bonnae 1824. 4185. und 3g Ta- feln in gr. 4to,

Tnaem wir uns bei abermaliger Anzeige eines neuen Bandes dieser höchst bedeutsamen uud lehr- reichen Schrift, die als Zierde unseres Jahrhunderts am naturhistorischen Horizonte vor allen glänzt, im allgemeinen auf unsere frühern Urtheile bezie- hen, fahren wir nach unserer Gewohnheit fort, über die botanischen Abhandlungen zu referiren:

Beitrag zur Flora Brasiliens von Maximilian, Prinzen von Wied-Neuwied, mit Beschrei- bungen von Dr, C. G. Nees v. Esenbeck und Dr. v. Martins. Mit 8 Kupfertafeln. Als Beschlufs- der im vorhergehenden Bande angefangenen, höchst schätzenswerthen Aufzählung neuer brasilianischer Pilanzen. Es’sind namentlich folgende;

Lobelia spectabilis Humb. et Kunth, Ethulia

‚Bb

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involuerata N, et M, Ist von der Humboldischen Gattung Amphirephis blos durch Mangel des Zap- pus verschieden, welswegen hier von letzterer aua- logere Galtungscharaktere gegeben werden. Cepha- . lopappus sonchifolius N. et M. Mit Abbildung. Eu- : xenia radiata N. et M. Galophthalmum brasilien- ses N. et M. Mit Abbildung. Anguria integrifolia N. et M. 4A. pedisecta N, et M. Passiflora foetida L. spermaeoce capitata R. et Pav. S. assurgens R. et P, Diodia alata N. et M. Tetramerium cveru- leum N. et M. Coffea ceiliata R. et P, Coecocypei- Zum cordifolium N. et M. Manettia attenuata N. et M. Virecta bifloraL. Hamelia patens Re P, Cephatlis dichotoma Rudg. Pohlana Langsdorfi N. et M. Canella axillaris N, et M. Mit Abbil- dung. Malpighia lueida Swartz. M. crassifolia L. M. maelifolia N. et M, Triopterie jamaicensis Sw, Yhouinia divica N. et M. Mit Abbildung. Horn- schuchia Bryotrophe et H. Myrtillus, Jussieua sca- bra Willd. Lythrum quintuplinervium N. et M. Polygala laxa N. et M, Securidaca divaricata N, et M. Crotalaria holosericea N, et M. Phaseolus bracteatus N, et M. Clitoria Pieioides N. et M. Cl, angustifolia N. et M. Cl. rubiginosa ‚Pers. Ga- lactia coriacea N. et M. ABobinia rubiginosa Poir, „deschynomene divisa N, et M, de. honesta N, et M, Cassia bartata N, et M. C. cana N. et M. Inga Mertensioides N, et M. Mit Abbildung. Bonnetia strieta N. et M. Mit Abbildung, Zelleria oborata N. et M. Mit. Abbildung. Gomphia semiserrata N, ss M. Oxalis mandioccana Radd, O. puberula M.

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ei N. O. polyantha Zucc, Helicteres corylifolia N, et M. Miyrodia turbinata Sw. Glossarrhen pauci- Jlorus a M. Mit Abb. Tab, VII. Noissettia longi- fola H. B. et Kunth, Jonidium Ipecacuanha R. et Sch. ]I. brericaule a M. I. racemosum N. et M. Turnera cuneiformis Spr. Alyrtus Gresgü HWilld, M, micrantha N, et M. KEugenia spieiflora N. et M. Calyptranthes Susygium Wild, Rhexia bi- dentata N. et M.

Generum tribuumque plantarum umbelliferarum nova dispositio, Auctore G, D. 1. Koch, Cum tabulis tribus lilhographicis,

Mehrfache Beobachtungen und Erfahrungen ha- ben den gelehrten Verf, überzeugt, dafs mehrere Gattungen der Doldengewächse durch festere Cha- raktere bezeichnet, und ihre Sippschaften durch sichrere Gränzen geschieden werden mülsen. Seine Vorgänger, besonders Hoffmann, haben in dieser Familie Tüchtiges vorgearbeitet; dieser hat die Gat- tungskennzeichen scharfsinnig festgestellt, aber die Eintheilung nach einem alleinigen Kennzeichen er- scheint der Natur nicht gemäß, die in den ver- schiedenen Erzeugnifsen auch verschiedene Eigen- thümlichkeiten hervorbebt, und daher das Gesetz vorschreibt, die beste Methode auf dasjenige zu bauen, was von diesen Eigenthümlichkeiten bestän- dig ist, und was, aus irgend einem Fructifications- Theile entnommen, das Verwandte verbindend, die übrigen Gruppen am sichersten ausschließt.

Der Verf. geht die in dieser Hinsicht zu be-

Bba

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achtenden Theile und ihre verschiedenen Gestal- tungen durch. Hauptsächlich ist die Betrachtung der Frucht, und nächst dieser die Blume, besonders die Blumenblätter erforderlich und hier in der Ein. leitung ausführlich zergliedert und je nach ihrer Brauchbarkeit zur Charakterisirung gewürdigt. Das Resultat der angestellten Beobachtungen ist kurz in den Worten zusammengefalst: Der Queerdurchmes- ser der Frucht, verglichen mit der Breite der Ver- bindungsfläche (Commissnra) ist bier von gleichem Gewichte, wie bei den Cruciferen; die Gestalt des Eyweilses, das fast den ganzen Saamen ausmacht, ist von gröfster Wichtigkeit, die Form der Blume, die Zahl der Juga und Vitae dorsales verbinden sehr gut die verwandten Gebilde; die Erhabenbeit: oder Vertiefung und Breite der Valleculae, die Zahl der Vittae commissurales, so wie die Blättchen der allgemeinen und der besondern Blüthenhülle bieten kaum irgend gute Untersebeidungs - Merkmale dar.

Nach der Einleilung folgt die synoptische Ue- bersicht der Tribus und Genera, dann die aus- führliche Beschreibung mit Angabe der Species, and das Ganze ist durch drei Steindrucktafeln mit 2125 einzelnen Zeichnungen erläutert,

Die Nothwendigkeit der eigenen Ansicht ‘der Uebersichten und der Abbildungen überhebt uns um so eher einer weilläufigern Anzeige, als der im Druck begriffene zweite Theil von M, et Koch. Deutschl. Flora, ein Buch, das in aller Botaniker Hände gewils kommt, das Wesentliche hierüber oh- nehin beibringen wird,

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Entwicklungsgeschichte der Pieris serrulata, von Dr. Th, Er. Ludw. Nees v. Esenbeck, M. d. A.d. N, (Mit einer Kupfertafel,)

Mit lobenswerther Bescheidenheit bevorwortet der rühmlichst bekannte Hr. Verf. seine Beobach- tungen, die, obgleich das Keimen der Farnkraufsaa- men eine allgemein bekannte Sache ist, ihm doch defshalb der Bekanntmachung werth schienen, weil ihm, auflser den älteren Beobachtungen Lindsay’s in dem aten Bande der Transactions of the Lin- nean Society, keine neuere Untersuchung bekannt war, welche die verschiedenen Stufen der Entwick- lung der Farn dentlich zeigte, und durch Figuren erläuterte. *)

In Hinsicht der Bildung des Saamens bezieht sich der Hr, Verf, auf die wicbtige Untersuchung von Treviranus über die allmählige Gestaltung des Farnkraut - Saamens im 4, Bde der „Fermisch- ten Schriften,“ weil seine Beobachtungen durch jene ergänzt, und diese wieder durch die Erscheinung beim Keimen bestätigt werden,

*) Der Hr. Verf. ahndete also nicht, dafs er durch die Bekanntmachung seiner Beohachtungen den Hra. Prof, Kaulfufs in Halle in so großse Unruhe versetzen wür- de, wie dieser (in dem gten Hefte der Isis Jahrg. 1824) durch die blofse Ankündigung desselben versetzt worden zu seyn selbst gesteht, indem er sich mit gleichen Beob- achtungen beschäftigte, und um das Prioritätsrecht zu komınen fürchtete!! Als ob Versuche, die von verschie- denen Beobachtern zu gleicher Zeit unternommen, auch selbst, wenn sie ganz gleiche Resultate lieferten, für die Wissenschaft ohne Interesse wären |!

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Der Verf. säete am +. Nor, 1823 die Saamen der Pieris serrulaia iheils in Wasser, theils auf ein Stückchen Maurermörtel, welches letztere er auf einer feuchten Unterlage unter eine Glasglocke und in eine Temperatur zwischen 10 ı5° Reaum. brachte, Am +9. Nor. keimten die im Wasser lie- genden Saamen, erschienen jetzt rund, mehr durch- sichtig und ganz aus kleinen Bläschen gebildet, im Umfang 'dichter und an einer Seite in eine kurze, stumple, wasserhelle Röhre verlängert, Am 25. be- merkte schon. das blolse Auge auf dem Mörtel ei- nen grünen Schimmer, der sich unter dem Micro- scop als die in der Entwicklung begriffenen Saa- menkörner darstellte, von denen einige aufser der schon angegebenen Verlängerung noch einen sehr dünnen, zarten, wasserhellen Faden ausgeschickt halten, in dem keine der grünen Körnchen zu sehen waren, die die andere Röhre jetzt erfüllten, Am 27, hatten die Keime an der Spitze an Dicke zugenommen, Am 3. Dec. sah man deutlich die braune Rindensubstanz an der verdickten Basis des Keims durch Zerfallen sich in eine unregelmäfsige Masse ablösen, so wie, dafs der zarte Wurzeltrieb nicht am Grunde des Keims, sondern an delsen Seite bervorbrach.

Durch die eingetretene Kälte wurde die ferniere ' Entwicklung gestört, Am 1:7, Jan. erkannte man jedoch schon mit blolsem Ange auf dem Mörtel die dicht nebeneinander aufrechistehenden Keime, die mehr an Dicke, als an Länge zugenommen halten, und in denen sich die grünen. Körnchen mehr ge-

3gI gen die Spitze hin zusammen drängten, Der grölste Theil dieser keimenden Pilänzchen starb; die übrig- gebliebenen hatten am 2. dpril die Wurzelfäden verloren, die Keime aber sich bedeutend in die Breite ausgedehnt, Sie zeigten deutlich eine zelli- ge, mit grünen Bläschen erfüllte Structur, und an verschiedenen Stellen brachen mehrere zarte, durch- sichtige Wurzelfäden hervor.

Aus diesen Beobachtungen geht deutlich her- vor, dals bei den Farn kein Verwachsen mehrerer Fäden zu einer Pflanze stait findet, wie bei den Moosen, und dafs beim Keimen sich eine trockne, körnige Epidermis von dem keimenden Saamenkorn löst, durch welche Eigenschaft die Farn - Saamen von den tieferen Kryptogamen abweichen, während sie sich auf der andern Seite durch den Mangel des Saamenstrangs und des ausgebildeten Embryo, so wie durch das Zerfällen der hier nur unvollkom- menen Testa sehr wesentlich von den höheren Pha- nerogamen unterscheiden, Dem Verf, scheint noch besonders merkwürdig, dafs sich bei dem Farn- Saamen zuerst der cotyledonartige Theil des Keims und später das Würzelchen entwickelt, indem bei den höhern Pllanzen der umgekehrte Fall statt findet.

Am +, .4pril wurde ein neuer Versuch mit Aus- säen dieses Farn auf Erde gemacht, und die Saat im Dampfbeet gehalten, Am +5. d. M. zeigte sich schon ein grüner Schein anf der Dammerde und die am 2+. angestellte mikroscopische Untersuchung ergab, dafs die Entwicklung hier einen weit raschern Verlauf hatte. Die Saamen, welche noch mit der

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In gleichem Verhältnifs mit der Entwicklung der Wedel, schrumpften die Cotyledonen ein, und verschwanden endlich ganz, Ein Pllänzchen mit einem ganz jungen Wedel zeigte unter starker Ver- grölserung deutlich einen Gefäßsbündel, der von dem Punkt, wo die Cotyledonen angeheflet sind, ausging, und sich nach unten in das erste Würzel- chen, nach oben in den Wedel fortsetzte. So weit

er dem Würzelchen angehörte, waren keine Spiral-

gefälse in ilm zu entdecken, deutlich aber waren

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diese in, dem Theil desselben, der in dem Wedel aufstieg, zu erkennen. . Der Hr. Verf. glaubt,. drei einfache Spiralgefäfse in dem Gefäfsbündel unter-. schieden zu haben; dieser theilte sich an der brei- ten Spitze dichotomisch, und verlor sich gegen den Rand hin im Zellgewebe,

Der Hr. Verf, fügt nun noch einige Beobach- iungen über das Keimen. der Jungermannia epi- : phylla, zu Vergleichung der grolsen . Uebereinstim- mung zwischen den Coiyledonen der Farn und den blattartigen dusbreitungen der stengellosen Junger- mannien, bei.

Am +3. Febr, +822 wurden die Saamen der Jungermannia epiphylia iheils in etwas. Wasser, theils aber auf ein Stückchen derselben Erde, auf der sie wuchs, gebracht, und stets sehr feucht an einem kalten Orte aufbewahrt,

Mehrere der Saamen in Wasser zeigten am 21, dess. M., bei nur geringer Vergröfserung ihres Umfangs, einen starken und. durchsichligen Keim von ungefähr gleicher Länge mit dem Saamen. Nach sechs Wochen waren dieselben noch unverändert. Bei den auf Erde gesäeten liels sich erst in der Glen Woche einige Veränderung wahrnehmen, Un- ter der Loupe erschienen diese nun als glänzend gelb - grüne Körner von verschiedener Größse, von einem eigenen gallertartigen Ansehen, Eine genauere Untersuchung zeigte, dafs die Saamen gröfstentheils an Umfang bedeutend zugenommen hatten, aber nicht gleichförmig nach allen Seiten hin, weshalb ihre ursprünglich ovale Gestalt jetzt in verschiede-

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ne unregelmäfsige Formen verändert erschien, Sie waren durchsichliger, die dunkeln Zwischenräume {raten deutlich hervor, und die körnige Textur war mehr zellig geworden, indem die einzelnen Körner jetzt in der Mitte einen durchsichtigen Punkt zeig- ten. Die starken wasserhellen einfachen Triebe, die auch an den in Wasser liegenden sich gezeigt

halten, gaben sich, als Wurzelfäden, die in ı die Er- -

de drangen, zu erkennen. '

Das auf diese einfachste Weise gebildete Blatt der stengellosen Jungermannien unterscheidet sich also von den Coiyledonen der. Farn, denen es in Hinsicht seiner Form so sehr gleicht, dadurch we- sentlich, dafs bei jenem der Saamen sich unmittel- bar in die blattartige Jungermannia ausdehnt, slalt dafs derselbe bei den Farn im Akt des Keimens

einen fadenförmigen Trieb ausschickt, der erst in

der Folge durch Wachsthum in die Breite zu den cotyledonartigen Blüthehen wird, auf diese Weise also schon im ersten Moment der Entwicklung das Vermögen einer höheren Entwicklung andeutet, und zugleich an die confervenarligen Fäden, aus denen die Laubmoose erwachsen, erinnert,

Die beigegebene Kupfertafel versinnlicht die Entwicklungsstufen der Pleris serrulata und die Keime der Jungermannia epiphylla.

Wir danken dem Hrn. Verf. dieser Abhandlung recht herzlich für die Mittheilung dieser wichtigen Beobachtungen, und haben hier geilissentlich einen vollständigen Auszug davon geliefert, theils, um auch diejenigen Leser dieser- Zeitschrift damit zu

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erfreuen, in deren Hände diese interessante Abhand- lung nicht kömmt, theils aber auch, um den Hrn, Verf,, dem wir Zeit und Gesundheit wünschen, um noch recht viele solche, der Wissenschaft nöthige, Beobachtungen machen zu können, vor ähnlichen Milsverständnilsen zu bewahren, wie das durch die Anzeige in der /sis (Jahrg. 1824. Heft 7. S, 762.) herbeigeführte leider! ist. Hätte Hr. Kaulfufs seine, durch die vorläufige Anzeige der Bekannt- machung dieser Beobachtungen erzeugte Gemüths- unruhe beschwichtigen können, und seine Kritik bis nach Durclilesung dieser Abhandlung zurückge- halten, und nicht nach einer blolsen Anzeige der- selben diese selbst beurtheilt,' oder richliger ver- urtbeilt, so würde er, wir sind es überzeugt, jene überhaupt zurückgehalten, oder doch wenigstens keine Ursache gehabt haben, sie mit so vieler Bit- terkeit gegen den bescheidenen Verf. abzufalsen, der so höchst anspruchslos das mittheilt, was er gese- hen, und der nicht einmal wufste, dafs Hr, Kaul- fuls mit ähnlichen Untersuchungen beschäftigt sey. Er würde geseben haben, dafs gröfstentheils alles, was er als falsch darzustellen bemüht ist, auf Rech- nung des erf, jener Anzeige, und nicht des Be- obachters, zurückfällt, denn dieser bedient sich nicht ein einzigesmal des Ausdrucks „Parrenkörner‘“, noch Behauptet er, „dafs die Farnsaamen keimten, ohne eine Schale abzuwerfen,“ im Gegentheil erwähnt er dieser ausdrücklich, Ueberhaupt bütet sich der Verf. vor allen allgemeinen Folgerungen, und be- schränkt sich einzig und allein auf die Mittheilung

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delsen, was er bei dem Keimen dieser Art beobach- tet hat. Nach unserer Philosophie aber, die wir gerne „WNaturphilosophie nennen lafsen (welcher Philosophie Hr. Kanlfufs huldigt, wilsen wir nicht, da er uns bis jetzt noch keine Gelegenheit gegeben hat, uns davon zu unterrichten), könnten dennoch mehrere Farnkrautsaamen eine Zesta haben, wenn sick auch wirklich bei der hier untersuchten Art keine solche gefunden hätten, da wir Ursache ha- ben, zu glauben, dals diese Art auf einer niedern Stufe der Entwicklung stebt. Was übrigens die Anspielung auf die wiederholte Ankündigung die- ser Abhandlung betrifft, so ist diels ohne Zuthun und Wissen des Verf. derselben geschehen, wie wir bestimmt wifsen, und über diesen Gegenstand hätte Ur. Kaulfuls um so mehr Stillschweigen beobach- ten sollen, da er aus eigner Erfahrung wilsen mufs, wie oft solche Ankündigungen ohne den Willen der Verf, der angekündigten Werke statt finden, denn schon seit 7 Jahren sind wir wiederholt auf die Herausgabe eines Prachtwerkes über die. Farn von Herrn Kaulfufs, das als Fortsetzung des Schkuhrischen Werkes dienen sollte, aufmerksam gemacht worden, welches aber noch bis heute nicht erschienen ist,

Hr. Kaulfufs würde übrigens sehr irren, wenn er diesen Aenfserungen einen unlautern Zweck un- terlegen wollte, im Gegentheil verdanken sie ihr Entstehen einzig und allein dem Unwillen über bittere Ausfälle und, Beurtheilungen, die mehr ge- gen die Persönlichkeit der Verf., als gegen die Sa-

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che selbst gerichtet sind, oder aus gekränkter Ei- telkeit entstehen, und die seit einiger Zeit auch an- fangen, sich in die Botanik einzuschleichen, wo man sie so lange verachtete. Der Rec., sich seiner guten Absicht bewulst, und, wie er glaubte, diese Genugthuung dem Verf. der in Rede stehenden Ab-. handlung schuldig, ist, wenn es Herr Kaulfuls wünschen sollte, bereit, sich öffentlich zu nennen. Beobachtungen über die Entwicklung der Laub- moose aus ihren Reimkörnern, von Dr. Th, Fr. .Ludw. Nees v. Esenbeck, M. d, A. d. N. {Mit 2 Kupfertafeln.) 5. ı69 ı8o.

Der Hr. Verf., durch seine frühere Schrift über die Entwicklung der Laubmoose*) als ein genauer Beobachter rühmlichst bekannt, hegte seit dem Er- scheinen derselben den Wunsch, die Entwicklung des Moosstämmchens vom ersten Keimen des Saa- menkorns an zu beobachten, fand aber erst jetzt Mulse und Gelegenheit, diesen Wunsch zu realisi- ren, und theilt nun bier-seine Beobachtungen mit,

Er schickt die Bemerkung voraus, dafs er, oh- ne ein Gegner der Lehre von der generalio origi- naria zu seyn, diese doch nur in dem Reiche der der Pilze und Algen annehmen möchte, dals er aber bei den höheren kryptogamischen Gewächsen an einer solchen Entstehung olıne Saamen oder doch. saamenähnliche Theile (Keimkörner) noch so lan- ge zweifela mülse, bis ganz vorsichtig angestellte

*) De Muscorum propagatione commentatio auctore Tieo- doro- Friederico Lutdovico Nees, Exlangas 1818.

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Versuche und Beobachtungen. auch hier entschieden haben würden, in welcher Ansicht wir jedoch dem Verf. nicht beipflichten.

Der erste Versuch wurde mit Polytrichum um- dulatum gemacht. Am 30. Jan. wurden reife Keim- körner. deßselben theils auf eln Stückchen Lehmbo- den in eine Tasse, theils in einem starken Wasser- tropfen auf ein Objectivglas gebracht, beide mit ei- nem umgekehrten Glas bedeckt und feucht erhal- ten. Erstere wurden an einem kalten Orte aufbe- wahrt, letztere ins Zimmer gebracht, und täglich unter dem Mikroscop beobachtet. Letztere fingen nach einigen Tagen an, ihre zellige Structar deut- licher zu zeigen, allmählig mehr an Zusammenhang untereinander zu gewinnen, und stellten auf diese Weise der Pristleyischen Materie ähnliche Gebilde dar. Die fernere Untersuchung zeigte, dafs der Zu- sammenhang durch eine innere, deutlicher hervor- tretende und nach und nach die grün-gelbe Farbe der Keimkörner annehmende, äufserst dünne Mem- bran entstand, welche die Keimkörner aus sich er- zeugt halten, und die ihnen zur Unterlage diente. Nur einmal, am ı4ten Tage, war das Wasser mit unzähligen Monaden erfüllt, die schnell wieder verschwanden.

Die Keimkörner auf der Erde bildeten anfangs eine gelblich - grüne, körnige Decke, Nach 8 Ta- gen verschwand allmählig dieses körnige Ansehen, und es bildeten sich lache, mehr grüne Flecken auf der Erde, In der äten Woche begann das Kei- men. Am Bande der Häufchen von Keimkörnern

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zeigten sich unter dem Mikroscop äulserst dünne und wasserhelle Fäden, und die einzelnen Körner kurze Spitzchen; aus einigen kamen längere und sehr dünne durchsichtige Fäden hervor, aus andern entwickelten sich 6mal dickere, gewöhnlich etwas gekrümmte, ebenfalls wasserhelle Fäden. Die zar- ten und dickeren Fäden kamen nie aus einem Keim- korn; in die letztern schien sich das ganze Korn aufzulösen.

- in der 4ten Woche hatten die grünen Flecken eine gesälligt grüne Farbe und etwas von dem kör- nigen, gelatinösen Ansehen einer Rivularie ange- nommen, Unter dem Microscop zeigten sich theils äulserst zarte, ästige, lange Fäden, die dem Verf. gegliedert zu seyn schienen, und die er aus den einzelnen Zelilchen der, in die Membran zerfalle- nen Keimkörner entstanden glaubt ; theils deutlich im Keimen begriffene Körner, die sich in eine was- serhelle, stumpfe Röhre ausgedehnt halten, die am Grunde nur etwas dünner war, als das nun eben- falls wasserhelle Keimkorn selbst, dieses aber un- gefähr 3 mal an Länge übertraf.

In der 5. Woche zeigte das Mikroscop dicht- nebeneinander liegende, wasserhelle, runde Bläs- chen in 6mal längere, stärkere, ungegliederte, stum- pfe Fäden ausgedehnt, gegen deren Spitze sich der grüne körnige Gehalt der Conferve erkennen liels. Die häutige Unterlage war minder deutlich und die ‚äufserst: zarten, ästigen Fäden zeigten sich nur dann, wenn zugleich von der darunter liegenden Erde mit unter das Mikroscop gebracht wurde.

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In der 7. FPoche hatten sich die jungen Keime nur wenig verlängert, aber die Körnchen selbst hatten sich in entgegengesetzter Richtung in längere, sehr zarte, gegen die Spilze verdünnte, wasserhelle Fäden verlängert, die der Verf, Wurzelkeime nennt. Auch fanden sich einzelne, längere, ästige Fäden, die vollkommen einer Conferve glichen, deren Ur- sprung aus dem Keimkorn zwar nicht mehr sicht- bar war, die man aber doch genugsam als mehr entwickelte Keime erkennen kounte. Der Verf, ist geneigt, zu glauben, dafs ihre Aeste durch ein Ver- schmelzen und Verwachsen mehrerer Keime ent- standen seyen, in weleher Ansicht wir ibm jedoch nicht beipfiichten, sondern sie nur als Folge der hö- heren Entwicklung betrachten. Tiefer in der Erde ohne Zusammenhang mit den keimenden Pllänzchen fand sich eine braune, äslige und gegliederte Con- ferve (Conferva castanea). i

(Fortsetzung folgt.)

I, Beisende Botaniker

Hr, Joseph Neumayer, und Hr. Med, Dok- tor Krater sind am $8ten April von Wien nach Dalmatien abgereist, wo sie eich ein volles Jahr aufhalten, und die Naturprodukte dieses Landes eifrigst erforschen werden. Zoologie und Botanik - ist ihr vorzügliches Augenmerk, und man ist be- rechligt, von so rüstigen und eifrigen Naturfor- schern bedeutenden Gewinn zu erwarten. Wir werden Gelegenheit haben , ihre Berichte durch Freundes Hand in der Flora mittheilen zu können,

Flora

oder

Botanische Zeitung.

Nro. 26. Regenshurg, am ı4, Juli 1825, ——ß iin een

I Recensionemw ;

\ Nora acta Physico- Medica Academiae Caesareae Leopoldino - Carolinae Naturae Curiosorum_ etc,

(Fortsetzung.)

I. der soten Woche hatte der grüne Basen an Masse und Ausdehnung bedeutend zugenommen, und aus der körnigen Oberfläche ragten kurze, grü- ne Spilzchen gerade aufrecht hervor, am Rande der Erde halle sich die Conferve, vielfach verästelt, weit über die Tasse hinkriechend ausgedehnt, und das Ganze war einer jungen Conferva amplıibia sehr ähnlich, Unter dem Mikroscop erschienen die zar- ten Wurzelkeime sehr verlängert und in die Erde hinabgestiegen, Die wenig verlängerten grünen Sten- gelkeime schienen etwas dieker und hatlen sich, dicht nebeneinander gelagert, von der Erde aulige- zichtet, olıne jedoch weiter zur Moosbildung zu ver- wachsen, In der Erde fanden sich einzelne Fäden der Conf. castanea, denen in einzelnen kleinen Räs- chen keimende Pllänzchen so fest anhiengen, dafs sie aus ihnen zu entspringen schienen, Diese Kei- me waren ästig und. ohne Wurzelfäden. Der Verf

Cc

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halt die C. castanea zur Entwicklung der Moose nicht wesentlich nötbig, und nennt sie: die Movs- wurzel im gesonderten Confervenwachsthum, woge- gen sich aber noch manches erinnern lalsen möch- ie, da sie bei manchen Moosen wirklich mit in die Moosbildung eingeht,

In der ss. Z/oche erlioben sich einzelne Moos- Stäinmehen aus einem dichten Gewirr der ästigen Conferven. Das Stämmchen hatte 5 Blüthchen und

‘die Textur aus Fadenzellen einer Conferve war im ‚Stamin und in den Blättern vollkommen gleich.

Anm Grunde zeigten sich wenig ästige, stärkere, ih- res körnigen Inhalts beraubte Fäden, die mit dem Stämmehen zusammenbiengen, und dünnere, län- gere, ästige, blals-bräunliche Wurzelfäden, die mehr ans der Achse des Stämmchens hervorkamen, Bei . einem jüngeren Pflänzchen sah man noch das Ein- treten der Fäden am Grunde und ihr Absetzen an der Spitze des Blatts; ein noch jüngeres Pllänzchen erwies das Entstehen durch Verwachsung der sich aufrichtenden Confervenäste noch deutlicher, Die Vergleichung dieser beiden Stämmchen lehrt, dafs die Blattbildüng durch die Verbindung der Confer- wenfäden erfolgt; Die zellige Textur der Blätter entsteht nach des Verf Ansicht durch die Wände und durch die nun hinzukommenden Scheidewän- %e, an die sich der grüne Inhalt anlegt.

In der +3. Woche entsprangen aus der auf der Tasse sich ausbreitenden Conferve einzelne junge Moospflänzchen, und hier konnte auf das Genauest®

beobachtet werden, wie per vonjugium filarum deX

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zeugende Punkt entstand, wo sich durch Vereini- gung aufsteigender Aeste die erste Knospe des wer- denden Mooses ansetzt. Der Verf. hat dies durch eine treflliche Abbildung (Zög, 13.) anschaulich ge- macht, Diese in Wasser ohne Erde hervorgegan- genen Stämmchen waren fast ohne alle Wurzelfäden.

Die junge Saat wurde in einen mit Erde ge-

füllten Blumentopf gebracht und gehörig feucht erhalten; aber bald trat ein Stillstand im Wachs-

thum ein, während welchem in gleichem Maalse die .

Stämmchen an innerer Festigkeit gewannen, wie die Confervenfäden allmählig verschwanden. Ende Juni. verheerten leider! Larven einer Tipularie die ganze Saat bis auf ein Stämmchen, an dessen Blät- tern der Verf, die Bildung des Blattnerven auf glei- che Weise, wie sie Hornschuch sah, beobachtete,

Der 2ie Persuch wurde mit Phascum cuspida- Zum gemacht; die dadurch erzielten Pflänzchen wa- ren schon in der Sten Woche bedeutend herange- wachsen, und wie die Corferven, aus denen sie sich bildeten, ganz denen des bl. undulatum ähnlich, Acht Tage später war die Erde fast ganz mit ihnen überdeckt, und es war auflallend, wie wenig Con- fervenfäden im Verhältnifs zu denen bei Pol. un. dulatum sich entwickelten. An den weitmaschigen Blättern konnte man besonders deutlich die Entste- hung aus Confervenläden erkennen,

Bei einem ten Persuch mit Phascum subula- tum halten sich die Keimkörner in der sten Woche gu einer einfachen zarten kurzgliedrigen, einer Os-

Cc2

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eillatorie ähnlichen, Conferve ausgedehnt, die aber keine fernere Entwicklung zeigte,

Aus diesen Beobachtungen stellt der Verf, fol- gende Resultate auf: ı) Die Moossaamen bestehen aus einem Aggregat kleinerer Bläschen (Zellchen).— 2) Das ganze Keimkorn kann in die Entwicklung eingehen; dann entsteht zuerst der stärkere Con- fervenfaden, der das Stämmchen bilden hilft, und später der zärtere, dünnere Wurzelfaden. 3) Aber äuch die kleinen Bläschen, woraus das Keimkorn des Mooses zusammengesetzt ist, können sich ein- zeln entwickeln und als sehr dünne Fäden erschei- nen, oder auch auf eine ähnliche Weise, wie diefs bei der Prirstleyischen Materie der Fall ist, eine häutige ulvenartige Substanz bilden, 4) Es ist kein Ablösen irgend einer, die Keimkörner umgebenden, Hülle zu bemerken, 5) Die Keimkörner entwi- ckein sich im Wasser zu grölseren, längeren Con- ferven und bleiben wahrscheinlich auf dieser Stufe stehen, wenn sie nicht von einem im Wasser leben- den Laubmoos abstammen; sie gehen hingegen auf feuchter Erde schneller in die Moosbildung ein 6) Die Moose erscheinen im ersten Zustande im- mer als eine Blattknospe, gebildet aus verwaobse- nen confervenartigen Fäden, die ihr dann noch mehr oder weniger anhängen und, wo sie in die Erde gehen, die Gestalt und Funktion der Wurzel- fasern übernehmen. 7) Die Moose wachsen nur in bestimmten Perioden, im Frühling und Herbst, und es ist sehr wahrscheinlich, dals der gröfste T heil derselben erst nach mehrern Jahren zur wöllige®

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Ausbildung gelangt. 8) Die Mooskeime sind nich im Zustande der Conferve sehr ähnlich, so dafs sie: in diesem schwer von einander zu unterscheiden seyn möchten,

Ob sich übrigens jederzeit dieselbe Moosart, von der der Saamen stammt, aus demselben bildet, wagt der Hr, Verf. noch nicht zu entscheiden, doch scheint im diels durch Drammond’s Beobach- tungen: erwiesen,

Gegen diese Sätze haben wir nichts einzuwen- den, noch denselben weiter etwas hinzuzufügen, als dafs wir uns überzengt halten, dafs die Mooskeime, auch selbst, wenn sie von Wassermoosen absiam- men, im reinen Wasser sich nicht über die Stufe der Confervenbildung zu erheben vermögen, wenn sie nicht ein in die freie Luft hervorragender fester Körper über die Oberfläche des Wassers hebt und ihnen zum Boden dient.

Die Fortpflanzung der Art durch die Aussaat betreffend, so geben wir gerne zu, dafs unter gün- stigen Umständen diese statt finden kann, sind aber eben so fest überzengt, dafs aus den Keimkörnern einer und derselben Art, je nach den verschiede- nen einwirkenden, äulsern Verhältnifsen, sich nicht: nur verschiedene Moose, sondern selbst Flechten erzeugen können. Hiezu liefern ja selbst die Drum- mondischen Versuche einen Beleg, indem derselbe aus den Keimkörnern der Funaria hygrometrica, Phascum serratum ervzog,

Als der Hr. Verf. vorliegende Abhandlung eben vollendet hatte, erhielt er die Schrift des Herrn

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Cassebeer „über die Entwicklung der Laubmoose“ und diese bestimmte ihn, einen kurzen Nachtrag zu seiner Abhandlung zu liefern, Die in Hermm Cassebeers Schrift niedergelegten Beobachtungen stimmen, was die Art der Entwicklung der confer- venartigen Fäden aus dem Keimkorn, und die Bil- dung des Laübmooses selbst durch die Verwachsung jener betrifft, mit denen des Hrn. Verf. überein, der jedoch, und wir mit ihm, an dem von Hrn, Cas- sebeer behaupteten Daseyn einer Saamenhülle und eines Nabels, so wie an dem Eyweilskörper, wofür Hr, C, die schleimig klebrige Malse hält, welche die einzelnen Körnchen der Keimkorns der Moose verbindet, zweifelt. Auch sind wir, wie er, fest überzeugt, dafs diese einzelnen Körnchen nicht ‚Mo- nas Termo sind, für welche Hr. C, dieselben er- kennt, aber gerne geben wir zu, dafs sie sich in ‚jene. auszubilden vermögen,

Eben so wenig glauben wir, dafs alle Priestleyi- sche Materie aus Moossaamen entstehe, hingegen stimmen wir Hrn. C,, gegen die Ansicht des Verf. vorliegender Abhandlung, vollkommen bei, wenn er sagt: da/s jede Priestleyische Materie unter gün- stigen Umständen zu Moosen heranwachsen könne, und dals alle Conferven des süfsen Wassers nicht zur Ausbildung gekommene Laubmoose seyen, wenn Hr. C. unter Conferven nur die Süfswasser - Con- ‚Ferven versteht, obgleich diese auch im Stande sind, sich durch Keimkörner fortzupflanzen, welches uns dieser Annahme keineswegs zu widersprechen scheint. Hr. N, v.E, sagt: „Ich möchte mich lieber so aus-

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„drücken: Die Keimkörner der Moose durchlau- „fen in ihrer Entwicklung eine Stufe der Metamor- „phose, in der sie den tiefern Algen eben so ähn- „lich sind, wie die keimenden Farne denJungerman- „nien, und sie bedürfen bestimmter äufserer Ver- „hältnilse, um zur höheren Ausbildung zu gelan- „gen, wodurch sie eben zu erkennen geben, dafs „sie nur Keimkörnzer, und nicht Saamen im eigent- „lichen Sinne des Worts, sind.“ —— Wir können dieser Annahme aber keineswegs beipflichten, und uns scheint schon das unter Nr. 3. oben aufgestellte Resultat dagegen zu streiten, indem daraus erhellt, dafs die Keimkörner der Moose sich in verschie- denen Bildungen entwickeln können, Unsere Be- obachtungen werden, wenn sie zur Mittheilung reif sind, unsere oben ausgesprochene Ansicht über al- len Zweifel erheben, so leid es uns auch thut, da» durch Hrn. Kaulfulss (Isis, Heft 9, Jahrg. 1824) zu voreilig ausgesprochene Freude über den Sturz der, wie er sich ausdrückt, „kühnen Lehre, da/s die Laubmoose durch zufälliges Verwachsen der Con= ‚ferven enistünden,“ zu vereiteln. So viel steht übri- gens jetzt schon fest, dafs die Laubmoose durch Verwachsung von Gebilden, die man bis jetzt zu den Süfswasser - Algen rechnete, entstehen, und es kann also nur noch die Frage seyn: können sich alle Süfswasser - Algen zu Moosen entwickeln oder richt? und im letatern Falle: welche Süfswasser- digen können die Gränze dieser Familie nicht über» schreiten? Unsere Beobachtungen zwingen uns zur Bejahung der ersten Frage, Bei der nächstens

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vorzunehmenden Beurtheilung der erwähnten Cas* sebeerischen Schrift wird sich mehr Gelegenbeit darbieten, unsere Ansichten über diesen Gegenstand mitzutheilen. Aus allen Beobachtungen über die Entwicklung der Laubmoose ergiebt sich also schon jetzt der Sturz der Lehre desHrn, Kaulfuls: dafs die corfervenartigen Gebilde an der Basis der Stämm- chen von Phascnm serratum nicht mit denselben zusammenhiengen (Sturms Deutschlands Flora ııte Abth. Heft 15), sondern fremdartige Gebilde seyen, _ auf das bestimmteste.

Hepaticae javanicae, editae conjunctis studiis et

opera Steinwardtii, Dr., Blumii, Dr., et

Neesii ab Esenbeck, Dr, A.C.N.C. 5. 8.

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Eine wichtige und trefliche Abhandlung die

uns einen Begriff von dem Reichthum des, auch an höheren Pflanzen so ausserordentlich reichen, Ja- »a’s an niederen Gewächsen giebt. Bekanntlich hielt sich Hr. Prof, Reinwardt 7 Jahre als Mi- nister des Kultus auf den holländischen Besitzun- gen in Ostindien auf, um das dortige Schul - und Unterrichts - Wesen zu reformiren; während dieser Zeil stand er zugleich an der Spitze einer Gesell- schaft Naturforscher, denen die nöthige Hülfe an Malern, Jägern etc. beigegeben war, und die auf Befehl der holländischen Regierung in naturhisto- rischer Hinsicht jene Besitzungen untersuchen sollte. Später wurde auch Hr. Dr. Blume nach Java ge- sendet, der sich bekanntlich noch jetzt daselbst, als Direktor des nen angelegten botanischen Gartens

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zu Batavia befindet. Beide theilten ihre gesam-. meltlen Lebermoose dem gelehrten Hrn. Präsidenten Nees von Esenbeck mit und vereinigten sich mit demselben’ zur Beschreibung derselben; eine Ver- bindung, die gewils für jeden der Herren 'Theilneh- mer sowohl, als für die Wissenschaft gleich vor- theilhait geworden ist.

Zu den 2 oder 3 Arien von Lebermoosen, die Thunberg auf Java sammelte, werden hier noch 59 Arten gebracht, und somit die Zahl der bis jetzt auf Java aufgefundenen Lebermoose auf 62 erhöht, Diese grofse Anzahl von Arten gehört nach den Herren Verf, zu den beiden Galtungen Marchantia und Jungermannia, und zwar zu ersterer Gallung 5, zu. leizierer 57 Arten.

Vorausgeschickt ist ein Conspectus generum et specierum, In diesem wird die Gattung Marchantia also definirt: Marchantia T. Receptaculum fru- eius commune subtus frugiferum, Calix reconditus, apice fissus, Capsula dentibus dehiscens, Sie zer- ' fallt in zwei Abtheilungen, Imberbes und Barbatae (Conocephali spec. Dumortier), wovon die. bier aufgezählien £ Arien Java eigen sind, Der Gat- tung Jungermannia, die die Elrn, Verf, nicht mit Raddi, Dumortier und Alex. Braun in ver- schiedene Gallungen trennen, sondern in ihrer In- tegrität wieder herstellen, geben sie folgenden Cha- rakter: Jungermannia Rupp. Linn, Capsula libera, quadrivalvis suboctovalvis, rarius irregula- riter rumpens, und theilen. dieselbe in folgende Sek- ‚tionen: I, Zrondosas 4 Spec. I. Yagae (Genera

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Sarcogyna et Cineinnulus Dumort,) II. Zama- riseinae (Lejeunia Dumort.) 1V, Flagelliferae, V. Nemorosae (Generis Radülae Dumort, spec.) VI, "Aspleniodeae (Generis Hadulae Dumort, spec.) Je- de dieser Sektionen wird besonders charakterisirt, und die meisten davon zerfallen wieder nach dem Daseyn oder Mangel, oder auch der Beschaffenheit der Amphigastria in mehrere Unterabtheilungen. Je- der Sektion ist eine Vergleichung des Zahlenver- hältnilses der hier aufgeführten Arten derselben mit dem aller Jungermannien, mit dem derselben Sektion, mit dem der javanischen Jungermannien, und mit den Arten dieser Sektion einzelner ande- rer Länder angehängt, der ganze Conspectus aber durch eine Vergleichung des Zahlenverhältnifses der Lebermoose Java’s mit dem aller beiannien Pflanzen, mit dem aller bekannten Crypiogamen, mit dem der Lichenen, Moose, Farnkräuter, und mit dem der zropischen Farnkräuter geschlofsen, aus welcher Vergleichung: sehr interessante Folge- rungen über die geographische Vertheilung der Le- bermoose und ihr Verhältnils zu den Farnen gezo- gen werden.

Auf diese lehrreiche Uebersicht folgen die Be- schreibungen der einzelnen Arten. : Von Marchan-. tia werden 5 Arten beschrieben, nämlich: I) Im- berbes: 3) Marchantia polymorpha Linn. U) Bar- batae: 2) M, emarginata n. sp. receptaculo ferhi- neo dimidiato maseuloque radiatis Pedunculatis, ra= diis feminei eniarginatis, maseuli integris, Auf feuchter Erde auf Java, Blume, Der M. chenopo-

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r

dae L. am nächsten verwandt, aber doch sehr bes

deutend davon verschieden. 3) M. palmata n. sp. . fronde lineari dichotoma, receptaculis masculis di- midiatis semicireularibus decemlobis pedicellatis. An gleichem Standort, wie die vorige Art. Blumelt. Von M. chenopoda L. durch die kleineren, schmä- leren Wedel, und die kürzer gestielten Fruchtboden “verschieden. 4) M, geminata n, sp. fronde di- chotoma bifida apice fructifera, rereptaculo dimi- diato quadrifido fundo longa barbato, masculi la» ciniis biftdis. In Brüchen auf Java, Blume! —? 5) M. hirsuta n. ep. [runde dilatata bijida ciliata, subtus undique hirsuta, receptaculie masculis termi= nalıbus sessilibus discordeis margine setosis, Auf lehmigem Boden bei Buitenzorg und in der Pro vinz Banta, Blume. I. Jungermannia, Sect. L Frondosas + Aeaules. 1, J, ulvoides n. sp. fronde nervosa li neari dichoioma marginata spinoso - dentata pur- purea, Auf Java in J, loriecata eingewachsen, Blu- mel— 2. J. multifida L. 3. J, rhizophora n. $Ps ‚fronde lineari dichotoma canalieulata nervosa mar- gine costaque radieulosa, fructu ,.. Auf javani- schen Moosen. Blume! Der J. furcata am näch- sten verwandt, doch hinlänglich davon verschie- den. 4 J, furcata ß elongata Hook, Aufl, bantamicaa Sect. U. Vagae, + Amphbiga- striatae, a. Amphigastrüs folüis forma et magni- Zudine congruis, pel subaequalibus, imbricatis, caule itaque tereti. Foliis saepe multifidis., * Ramis obtusis, Julaceae. 5, J, capillaris Sw. In Rasen

412 von Dier, sphagnoides auf Bergen der Provinz Ban- ta. ** Cladorhizae, Pinnatim ramosae, ramis simplieibus wel fasciculatis apice attenuatis radi- cantibus. & Foliis divisis. 6. J, trichodes n. 8Ps caule erecto pinnatim composito vel decomposito ca-. pillari, ramis decurvis, foliis distantibus subgua- dratis amphigastrüsque lato - quadratis minulissi- mis planis subquadrifidis, fructu laterali clavato erinito. Mit der vorhergehenden an gleichem Stand- ort, doch nicht unter D, sphagnoides, 7. J. mi- erophylla Hook,, auf Banta, Blume! 8 4 scorpioides n. sp. caule erecto dichotomo, ramis bi- Pinnatis, ramulis dichotomis attenuatis deflexis ra- dicantibus foliis arcte imbricalis profunde trifidis laciniis lanceolato - subulatis integerrimis in super- ne basi calcare praeditis minuto subulato dorso in» cumbente, amphigastrüs bifidis, fructu in ramulo brevi laterali. clavato, fol. amphigastrüsque lacinia- tis involuerato, In der Provinz Banta. Blume! Der J. setiformis ähnlich, und eine der schönsten und grölsten Arten der ganzen Gattung, 9. J calcarata n. sp. caule erecto dichotomo, ramis fur- catis attenuatis deflexis radieantibus, folüs arcte imbricatis tripartitis, lacinüs oblongo - lanceolatis basi et apice attenuatis subintegerrimis in dorso cal- caralis, amphigastriis bipartitis, laciniis linearibus margine rovolutis basi calcaratis, fructu clavato sub- gemino in ramulo brevi laterali, foliis amphigastrüis- que laciniatis involuerato. Auf Java und Banta, Blume! Der J. scorpioides am nächsten, aber auch mit J. Hagellifera Hook, und J, pendulina Hook,

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verwandt, jedoch von allen diesen hinlänglich ver- schieden. g. Folüs integris, 10, J. cladorhi= za n, sp. caule erecto simpliciter ramoso, ramis de= Hlexis attenuatis apice radicantibus, foliis laxe im- brieatis semiverticalibus distichis ovalo-faleatis de- Slexis ciliato- denticalatis acumine bidentato, amphi- gastriüs cordato - triangularibus integris dentato- eiliatis, fructw ,.. Auf nackter Erde der Insel Ja- va, Blume! ı1 J. helorhiza n, sp. caule ho- risontali pinnato, ramis decurvis apice filiformi ra- dieantibus, foliis imbricatis verticalibus distichis am- Phigastriisque approximatis transversalibus inciso - ciliatis, fructu... Unter javanischen Moosen. Blu- me! b. Jmphigastris dijformilus, caule appla- nato. ® Foliüs succubo - imbricatis, apice divisis, ı2. J. coalita Hook,, unter Moosen, Blume! 13. J. afinis n. sp. caule repente subramoso, foliis distichis horizontalibus ovato-quadratis apice biden- tatis, amphigastrüs transversalibus. in folii margi- nem superivrem decurrentibus quadrifidis, laciniis subulatis inlegerrimis divergentibus, [ructu ,.. Un- ter Polytr. cirrhosum Sw., Blume! Steht gleichsam in der Mitte zwischen J. didens und J, coalita. Mit ‘der ersteren hat sie Statur, Grölse und Farbe ge- mein, und die Verf, sind noch ungewils, ob sie von J. connata Sw, hinlänglich verschieden ist. ß. Foliis succubo -imbricatis, iniegris (nee integerri-

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mis), ı&. J. arguta n. sp, caule repente subra- moso , foliis horizontalibus quadratis apice acute dentatis, amphigastrüis minutis remotis bipartitis, laciniis subulatis basi extrorsum unidentatis, fruciu...

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Auf Baumrinde in verschiedenen Gegenden Jara’s, Blume, 15, !. deourrens n. sp, cawle ramoso procumbente, foliis imbricatis horizontaliter distichig ovatis subdenticulatis, amphigastriis simpliei serie quadratis spinuloso-dentatis in folia deeurrentibus, fructw... Auf der Erde, Blume, Mit 2, coalita ‚Hook, verwandt. + Examphigastriatae. @, Fo- liis suceubo-imbricatis integris. 16. I, sguamala n. sp. caule prostrato nudo,, dorso flagellifero Pro- ligeroque, fol. subverticalibus erecto - conniventibus cordalis obtusis concavis integerrimis, fruetu... An der Erde auf Java, Blume, Scheint der /. pro- strata Sw. am nächsten verwandt, ß. Folis suc- eubis apice bifidis. 17. J. bidens n. sp. caule re- pente - subsimpliei, foliis distantibus patentibus se- miverticalibus ovato - elliptieis. integerrimis apice emarginato-bidentatis, dentibus aeutis, fruetu . . Unter andern javanischen Jungermannien, Sectio Ill. Tamariscineae + Amphiga- siriatae. a. Basi subtus complicatae, lobulo plan». * Majori distineto. 18. J. Tomentella Ehrh, Von dieser geben die Hrn. Verf. falgende neue Defini- tion: Z. caule repente subtripinnato apice dichoto- mo, fol. amphigaströisque quadripartitis, laciniis subaegualibus capillari-pinnatis, pinnulis oppositis, Fructibus terminalibus, Var, 9. Javanica, ramis ter- minalibus divaricatis, Häufig auf Java unter Moo- sen an der Erde. 19. 7. Pluma n. sp. caule re- pente regulariier. bipinnato, Pinnis apice decrescen= tibus, foliis amphigastrüisque quadripartitis, laciniis subaequalibus capillari - pinnatis, pinnis opposilis,

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‚Fruetu ... Auf Bergen der Provinz Bantq, Blu- me. Obgleich mit der vorigen Art sehr nahe ver- wandt, doch auf das Bestimmteste davon verschie- den, und zwar schon anf den ersten Blick durch die höchst regelmäfsige Gestalt einer Feder, a. Basi subtus (nudae vel) complicatae, lobulo plano, ** Mi- nuto indistineto, 20. I. applanata n. sp. caule Procumbente Pinnatim decomposito, foliis arcie im- bricatis orato- orbieulatis acutiusculis apice denti- eulatis basi subtus complicatis amphigastr.is im- bricatis transversim subrotundis integerrimis, [ructu in ramulis terminali, foliis perichaetialibus acute auriculatis apice acute dentatis. Unter Moosen mit I, nodulosa, Blume. Der 7. Zunulata Web, am nächsten, und auch mit / Musae Spr, verwandt, aber durch die vollkommen ganzen Amphigastrien von beiden verschieden. 21. J. fertilis n. sp. eaule repente subpinnatim ramoso - fasciculato, fo- lüis verticalibus confertis potentibus ovatis obtusis integerrimis basi postica complicato-saccalis, mar- gine plicae crenata, amphigastrüs imbrieatis orbi- eulato- quadratis transversis rotundatis, fructw in ramulis brevissimis laterali conferto, calieibus obo- vatis plicatis nudis folia perichaetialia aequantibus, An Baumrinde auf dem Berge Lebock auf Banta, Blume, Zwei brasilischen Arten, der 4 Dieolor und 7. phyllorhiza, nahe verwandt, aber von bei- den verschieden. 22. I. spathulistipa n, sp. eaule decumbente dichotomo divaricato, foliis distiche im- drieatis subverticalibus oblique oralis acutis apire serratis basi sublus complicatis, amphigastriis im-

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bricatis spathulatis truncatis apice dentieulatis. Fru- ctw terminali et ex ‚dichotomia, calieibus compressis subtus carinatis angulis denticulatis, Mit den Vor- hergebenden an gleichen Orten, Yariat. ß- Fol magis obliquis, ut in I. asplenioide deorsum sub- complicatis, apice subinlegerrimis, amphigastriis bre- vioribus late refusis integerrimis. Auf ‘dem Berge Sadjra. 23.